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Sandcichliden

 
Im Jahre 2004 überließ mir ein Züchter aus Calw seine letzten Xenotilapia bathyphilus Kekese. Und schon war die Begeisterung für jene Fischgruppe geboren. Dem Oberbegriff "Sandcichliden" gehören die Gattungen Cardiopharynx; Callochromis; Enantiopus; Ectodus; Lestradea und Xenotilapia an. Der natürliche Lebensraum von Sandcichliden ist das Sandlitoral und teilweise die Übergangszone (Xenotilapia papilio). Mittlerweile schwammen schon einige verschiedene Sandcichliden in meiner Anlage. Meine Erfahrungen stützen sich auf folgende von mir gepflegten und gezüchteten Arten:

 

Xenotilapia bathyphilus Sambia

  • Callochromis pleurospilus Kigoma
  • Enantiopus melanogenys Kilesa
  • Xenotilapia bathyphilus Kambwimba
  • Xenotilapia bathyphilus Kekese
  • Xenotilapia bathyphilus Sambia
  • Xenotilapia caudafasciata
  • Xenotilapia flavipinnis Bulombora
  • Xenotilapia flavipinnis Bulu Point
  • Xenotilapia flavipinnis Crocodile Island
  • Xenotilapia flavipinnis Kasanga
  • Xenotilapia flavipinnis Kigoma
  • Xenotilapia flavipinnis Nyanza Lac
  • Xenotilapia papilio Chituta
  • Xenotilapia papilio Isanga
  • Xenotilapia papilio Kanoni
  • Xenotilapia papilio Tembwe
  •  
    Hier nun ein paar allgemeine Hinweise zu diesen wunderschönen Cichliden

     

     
    das Aquarium für Sandcichliden
    Bei Sandcichliden ist vor allem auf eine große Grundfläche Wert zu legen, da sich diese Tiere meist in der Nähe des Bodengrundes aufhalten. Gerade hier gilt, je größer desto besser.  Aufgrund ihrer Größe, Schreckhaftigkeit und sonstigen Bedürfnisse, würde ich unter 250-300 Liter Beckeninhalt keine Sandcichliden pflegen. Unter günstigen Umständen kann man vielleicht noch ein biparentales Pärchen (z.B. Xenotilapia papilio oder Xenotilapia flavipinnis) in 200 Liter Aquarium hältern. Sehr wichtig ist es für eine gute Abdeckung des Beckens zu sorgen, da diese Tiere äußerst schreckhaft sind und jede Ritze zur "Flucht" nutzen.
     

    Blick in ein 450 liter Becken mit  Xenotilapia und Cyprichromis

     
    die Einrichtung des Aquariums
    Der ideale Bodengrund ist Quarzsand mit einer Körnung 0,5-1,0 mm. Im gut sortierten Baustoffhandel dürfte es kein Problem sein Quarzsand zu bekommen. Um einige Reviere abzugrenzen und Sichtbarrieren zu schaffen, werden vereinzelt größere Steine eingebracht. Die Steine sollten nicht zu scharfkantig sein, da es sonst vorkommen kann das die Tiere sich daran beim unkontrollierten Flüchten verletzen. Ich verwende in meinen Aquarien ein bei mir vorkommendes Kalkgestein.

    Anubien oder ähnliches können an den Steinen befestigt werden. Sonstige Bepflanzung sollte sich auf wenige Solitärgewächse im Hintergrund beschränken. Es sollten möglichst 2-3 größere Sandflächen frei gelassen werden. Eine zu starke Beleuchtung vermeide ich, nicht nur aus Kostengründen sondern auch wegen der Schreckhaftigkeit der Tiere.

     

    noch ein 450 liter Becken mit Xenotilapia und Cyprichromis

     
    Hälterung und Pflege
    Eine optimale Filterung des Hälterungswasser ist eine Grundvorrausetzung für eine erfolgreiche Pflege und Zucht von Sandcichliden. Bei mir haben sich nach einigen Testphasen mit anderen Techniken ein 3-Kammerinnenfilter mit Luftheber bewährt. Diese Tiere reagieren sehr empfindlich auf eine Verschlechterung der Wasserqualität. Die Wasserwerte sollten sich denen des Tanganjikasees anlehnen. Kleinere Abweichungen sind natürlich möglich. Auch meine Wasserwerte sind nicht optimal mit Ph von 8,0; Gh von 6,0 und Kh von 8,0 gegenüber den Idealwerten aus dem Tanganjikasee mit Ph 7,5-9,4 ; Gh 7-12 ; Kh 15-18  und trotzdem fühlen die Fische sich wohl.

    Die Temperatur wird auf 24-27 C° eingestellt.

    Beim Futter scheiden sich ja oft die Geister. Es gibt Arten bei denen Protein und Nährreiches Futter schädlich sein kann, da dieses in großen Mengen nicht ausreichend verwertet wird. Dazu zählen Xenotilapia papilio oder Xenotilapia flavipinnis. Diesen Tieren reiche ich Spirulina Flocken; Cyclops und Guggenbühl-Bits. Bei den anderen Fischen wie Xenotilapia bathyphilus, Enantiopus melanogenys oder Callochromis- Arten kann man zusätzlich auch Artemia, Mückenlarven oder ähnliches anbieten.

    juveniler Xenotilapia papilio Isanga

     
     
    das Verhalten
    Es gibt ein sehr deutliches Unterscheidungsmerkmal bei Sandcichliden. Die eine Gruppe, zu denen z.B. Xenotilapia bathyphilus, Xenotilapia ochrogenys oder Enantiopus Arten gehören, sind maternale (mütterliche) Maulbrüter, wo nur das mütterliche Tier die Aufgabe der Aufzucht der Jungtiere im Maul übernimmt. Diese Tiere bilden keine festen Paare sondern werden in kleinen Gruppen gepflegt. Die Männchen haben ein buntes und attraktives Farbkleid, wo im Gegensatz das weibliche Tier meist keine oder sehr wenig Farbkennzeichnung trägt (Sexaualdichromatismus). Auch werden maternale Maulbrüter mit einem leichten Weibchenüberschuss gehalten um den Männchen ein wenig die Aggressionen zu nehmen.  Ebenso konnte ich bei einem ausgeglichenen Geschlechterverhältnis keine Nachteile entdecken, sondern das verstärkte gegenseitige Anbalzen der Männchen als einen optischen Leckerbissen genießen.

    Nun zu den biparentalen (beidelterlichen) Maulbrütern. Zu ihnen gehören vor allem X.papilio und Xenotilapia flavipinnis oder Xenotilapia spilopterus. Diese Fische bilden meist feste Paare und es beteiligen sich beide Geschlechter an der Maulbrutpflege. Männchen und Weibchen von biparentale Maulbrütern besitzen kaum Unterschiede  an ihren äußerlichen Merkmalen. Xenotilapia papilio Arten wird nachgesagt empfindlich auf jegliche Veränderungen zu reagieren. Dies kann ich nur bestätigen. Es reicht manchmal schon ein Wasserwechsel aus, um ein Pärchen Xenotilapia papilio Chituta in eine "Ehekrise" zu stürzen.

    Die meisten Sandcichliden haben eine Hauptbeschäftigung und das ist Sand durchkauen. Dabei nehmen sie Sand mit dem Maul auf und filtern es nach fressbarem aus. Hier ein Videotrailer der zeigt mit welcher Hingabe sie das tun. Die idealen Beifische für Sandcichliden sind Cyprichromis Arten da beide nicht die selben Räume im Aquarium nutzen. Auch miteinander - maternaler und biparentaler Maulbrüter sind als Vergesellschaftung möglich. Ebenso pflege ich Fadenmaulbrüter zusammen mit zwei verschiedenen Xenotilapia Arten in einem 500 Liter Becken. Auf der unteren Tabelle sind ein paar Vergesellschaftungsbeispiele die in meinen Becken keine Probleme bereiteten.
     

    Beckengröße

    Anzahl Tiere

     Artenname

    325 Liter

    8

    Xenotilapia papilio Isanga

         

    400 Liter

    14

    Xenotilapia bathyphilus Kekese

     

    2

    Xenotilapia papilio Chituta

     

    10

    Cyprichromis leptosoma speckleback Moba

         

    450 Liter

    9

    Xenotilapia bathyphilus Sambia

     

    8

    Xenotilapia flavipinnis Kigoma

     

    10

    Cyprichromis leptosoma Utinta

         

    450 Liter

    5

    Xenotilapia papilio Tembwe

     

    6

    Xenotilapia bathyphilus Kambwimba

     

    10

    Cyprichromis leptosoma speckleback Moba

         

    500 Liter

    12

    Ophthalmotilapia ventralis Ngosye

     

    6

    Xenotilapia flavipinnis Kasanga

     

    4

    Xenotilapia papilio Chituta

     

    Xenotilapia flavipinnis Bulombora

     
    Fortpflanzung und Zucht
    Auch bei dem Thema Fortpflanzung gibt es hauptsächlich Unterschiede zwischen maternalen und biparentalen Maulbrütern. Bei maternalen Sandcichliden (Xenotilapia bathyphilus) lockt das Männchen das laichbereite Weibchen in eine ruhigere Ecke des Aquariums. Dort wird das Weibchen durch ständig wechselndes Kreisschwimmen zur Abgabe der Eier animiert. Die Eier werden vom Weibchen sofort ins Maul genommen und durch das nachschnappen mit dem Maul des Weibchens vom Männchen befruchtet. Nach ca. 20-25 Tagen werden die Jungfische von der Mutter entlassen und auch nicht wieder aufgenommen. Dadurch sind die Jungfischlarven natürlich in einem Gesellschaftsbecken stark gefährdet. Bei mir setze ich die Weibchen nach 18-20 Tagen in ein kleines gesondertes Becken wo die Jungfischlarven dann entlassen werden können. Bei meinen Xenotilapia bathyphilus werden ca. 15-30 Jungfischlarven aus dem Maul entlassen die dann mit entkapselte Artemiaeier oder zerriebenen Flockenfutter aufgezogen werden.

    Biparentale Sandcichliden (Xenotilapia flavipinnis) bilden bekanntlich feste Paare, welche sich ein kleines Revier vor dem Laichakt abgrenzen und gründlich kauend den Sandboden reinigen. Das Ablaichen geht ziemlich schnell und unspektakulär vonstatten. Auch sie laichen auf dem Substrat ab und die Eier werden dann im Maul vom Weibchen befruchtet, wo sie ca. 9-10 Tage verbleiben. Dann wird das Männchen ungeduldig und fordert die Eier durch Drohgebärden (ähnlich wie Bild oben). Das Weibchen spuckt die Eier in den Sand wo sie sofort vom Männchen aufgenommen werden. Nun dauert es noch 7-8 Tage bis die Jungfischlarven das erste Mal das väterliche Maul verlassen. Ab jetzt werden die Kleinen bei Gefahr von beiden Elternteilen wieder ins Maul genommen. Ich warte immer bis die Jungtiere ein zwei Mal entlassen worden sind und setze dann das maulbrutpflegende Tier in ein kleines Becken um. Dort kann es schon einige Tage dauern bis die Jungen wieder entlassen werden. Xenotilapia papilio Tembwe ist z.B. ein sehr sorgsamer und hartnäckiger Fisch, der seine Jungtiere immer wieder bei der kleinsten Handbewegung vor dem Becken, ins Maul nimmt. Bei Xenotilapia flavipinnis konnte ich schon bis zu 40 Jungtiere aus einem Gelege großziehen. Xenotilapia papilio ist da etwas sparsamer und kommt meist nicht über 15 Jungtiere pro Brut hinaus.

     

    Xenotilapia flavipinnis Kasanga

     
    Videotrailer von meinen Sandcichliden
     

     

    Xenotilapia bathyphilus Kekese

     

     

    Xenotilapia papilio Kanoni

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