Den Schneckenbarschen des Tanganjikasees widme ich
hiermit eine eigene Rubrik, da sie in den ersten Jahren meiner Zuchtanlage eine besondere Stellung
einnahmen. Sie sind hoch interessant in ihrem Verhalten und sind dennoch recht
einfach zu hältern und zu vermehren. Diese Fische bei der Brutpflege
zu beobachten ist ein Hochgenuss. Deshalb hier einige Empfehlungen zur
erfolgreichen Pflege dieser faszinierenden Tiere.
Schneckencichliden des Tanganjikasees leben in ihrem
natürlichem Lebensraum in der Sand- und Geröllzone meist in der
Nähe von leeren Neothaumaschnecken. In diesen Schneckengehäusen
finden die kleinen Cichliden Zuflucht und Behausung. Genauso werden
diese Schneckengehäuse als Ablaichplatz und Schutz für die
Jungfischbrut benutzt. Und doch gibt es bei den einzelnen Arten
immer noch reichlich Unterschiede im Verhalten.
Schneckenbarsche stellen keine sehr großen Ansprüche bei ihrer
Pflege. Ich persönlich verwende Becken ab 100ltr. zur Hälterung und Zucht meiner
Pfleglinge. Man kann die kleiner bleibenden Arten wie Neolamprologus multifasciatus oder
Lamprologus ocellatus aber auch schon in 35-50ltr. Becken unterbringen. Bei der
Wahl des Beckens ist die Grundfläche wichtiger als die Höhe.
Zur Einrichtung braucht man eigentlich nur feinen Sand und am
besten viele leere Schneckenhäuser. Ich verwende hauptsächlich
Weinbergschneckengehäuse, die man bei uns im Schwarzwald im späten Herbst oder
nach der Schneeschmelze unter
Hecken und Büschen finden kann. Bei ab 7cm Körperlänge werdenden Arten (z.B. Altol. sumbu shell oder Neol. boulengeri) sollte man größere Molusken
benutzen. Steine oder Steinaufbauten zur Revierabgrenzung oder als
Sichtbarriere können auch eingebracht werden. Pflanzen müssen in einem
Schneckenbarschaquarium nicht fehlen. Da die meisten Schneckenbarsche sehr
effizient den Sand durchpflügen, könnten leider auch Pflanzen beschädigt werden.
Die Temperatur des Wassers sollte zwischen 24-26
Grad Celsius liegen. Klares Wasser ,eine gute Filterung und ein PH-Wert
größer 7,5 sind Voraussetzung zur Pflege dieser Fische. Die Wasserwerte in meinen Becken: PH um 8,0 ; GH um 6 und KH um
8. Ein wöchentlicher Teilwasserwechsel (30-50%) ist zu empfehlen.
Beim Futter sollte man, wie eigentlich bei jedem Haustier, großen
Wert auf Qualität legen. Ich gebe 70-80 Prozent Frostfutter (Mückenlarven, Cyklops, Daphnien, Artemia, Moina). Zusätzlich
verfüttere ich Lebendfutter (schwarze Mückenlarven aus dem Gartenfass) und wenig Flockenfutter.
Das
Schöne an den meisten Schneckencichlidenarten ist, das sie gegen größere
Mitinsassen im Aquarium sehr durchsetzungsfähig sind. Man kann diese
Fische mit klassischen Höhlenbrütern aber auch mit Freiwassercichliden
vergesellschaften. Dabei zeigen sie ihre ganze Vielfältigkeit. Nach der
Eingewöhnungsphase werden als erstes die Reviere erkämpft und dann
die angebotenen Schneckenhäuser fachgerecht verbuddelt.
Bei der Brutpflege sind diese Tiere besonders aggressiv. Es kann
schon mal vorkommen, das man bei der Beckenpflege (z. B. Scheiben putzen) von
diesen kleinen Kerlen attackiert wird. Keine Angst das zwickt nur. In einem
Becken zusammen mit einer Gruppe Tropheus moorii Kalambo pflegte ich mal
Neolamprologus caudopunctatus. Diese Fische verjagten die Moorii mit einer
erstaunlichen Ausdauer aus ihrem Revier. Leider gibt es auch Arten wie zum
Beispiel Neolamprologus boulengeri, die auch gegenüber ihren Artgenossen sehr
aggressiv werden können. Bei mir im Zuchtaquarium muss ich einige Tage nach der
Eiablage immer das Weibchen samt Brut umsetzen, sonst werden die
Babys vom Männchen gefressen.
Die Zucht der meisten Schneckenbarsche ist nicht besonders
schwierig. Wenn sich ein gut harmonierendes Pärchen gefunden hat, setze ich es in
ein separates Aufzuchtbecken mit der üblichen Einrichtung (Sand und einige
Schneckengehäuse). Dann heißt es geduldig warten, gut füttern und
wöchentliche Wasserwechsel. Wenn alle Schneckenhäuschen vergraben sind und
die Eingewöhnungszeit vorbei ist, versucht das Männchen das Weibchen in das
ausgesuchte Häuschen zu stoßen. Nach der Eiablage befächelt das Weibchen das
Gelege im Schneckenhaus. Dies und das Bauen einer tiefen Grube (meist bis
zum Glasboden), in der Nähe des Geleges, ist fast immer ein Beleg dafür, das
die Schneckencichliden abgelaicht haben. Nach ein paar Tagen kann man die
kleinen Jungfische am Gehäuseeingang entdecken. Als Aufzuchtfutter verwende ich
entkapselte Artemiaeier, die ich 10 Minuten in Wasser aufweiche. Zusätzlich
verfüttere ich noch Cyclop eeze oder Sera micropan. Wenn die Jungfische die
ersten 3-4 Wochen überstanden haben, setze ich sie in ein Aufzuchtbecken. Wenn
man möchte, kann man die Jungen auch im Becken belassen, aber meist werden sie
von den wieder neu ablaichenden Elterntieren attackiert oder die älteren
Jungfische fressen ihre kleinen Geschwister.